LiMAwien Programm Workshops

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  • Workshop über neoliberale Metaphern

    Einer der ersten Workshops am Programm der LiMAwien findet am Samstag, 6.10. von 11.00 bis 17.00 im NIG statt, Die Sprache der Krise – die Krise der Sprache.

    BEIGEWUMIn diesem Workshop wird der Rolle von Sprach- und Bildpolitiken in der Krisenberichterstattung nachgegangen. Dafür bildet u.a. das aktuelle Beigewum-Buch «Imagine Economy. Neoliberale Metaphern im wirtschaftspolitischen Diskurs» den Hintergrund.
    Da geht es zum Beispiel um Metaphern wie “Leistungsträger”, “Exportweltmeister” oder um die der “Schuldenbremse”:

    Der Begriff zeichnet das Bild einer dramatischen Lage: Gebremst werden muss, wenn ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit und/oder auf abschüssigem Terrain unterwegs ist und ein Hindernis auftaucht, das einen Unfall provozieren würde. Es stellen sich demnach mehrere Fragen: erstens die Frage, ob Schulden tatsächlich so schlimm sind; zweitens die Frage nach der Entwicklung der Staatsverschuldung; und drittens die Frage, ob eine „Schuldenbremse“ das vermeintliche Problem überhaupt lösen kann.

    Einen schönen Ein- und Ausblick auf das Thema des Workshops und die Herangehensweise der Kritik bietet der Aufsatz «Krise? welche Krise? wessen Krise? – Metaphern und Modelle und was daraus folgt» von Heinz Steinert. Eine Empfehlung des Workshop-Leiters Oliver Prausmüller.

    Das Buch dem Workshop den Rahmen gebende Buch empfiehlt übrigens kritisch-lesen:

    Ähnlich wie beim Kapital als Reh wird auch in anderen Metaphern das soziale Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit direkt oder indirekt naturalisiert. Es verbirgt sich etwa hinter dem Begriff vom Rettungsschirm abermals ein naturalisierendes Bild, wie Anita Roitner in ihrem Beitrag meint. Die Finanzkrise, vor der Staaten und Banken geschützt werden müssen, wird mit einem Unwetter verglichen, das bekanntlich in erster Linie nicht menschengemacht sei. Körperlich wird’s beim Begriff vom „schlanken Staat“, der die Forderung nach „mehr Markt und weniger Staat“ impliziert. „Der“ Staat wird als „zu dick“ wahrgenommen. Oliver Prausmüller kritisiert dieses Bild aus dreierlei Hinsicht. Erstens laufen Natur-Analogien Gefahr, notwendige politische Auseinandersetzungen auszublenden und zugleich das Idealbild von Menschenkörpern als schlank und fit zu stützen. Zweitens werden verteilungspolitische Fragen durch die Metapher ausgeblendet. Kosten für die Bevölkerung steigen parallel zur Verschlankung des Staates, das heißt zum geringeren Aufwand auf der Ausgabenseite des Staates, was insbesondere aus geschlechterkritischer Perspektive problematisch ist. Durch die Verschiebung von bezahlter Arbeit hin zu privater, informeller Arbeit, die zumeist Frauen leisten, sind es vor allem Männer, die von einem schlanken Staat profitieren. Drittens führen Liberalisierungen und Privatisierungen keineswegs automatisch zu Bürokratieabbau, vielmehr ist anstatt von einem Abbau des Sozialstaates von einem Umbau zu sprechen. Insgesamt trägt die Rede vom schlanken Staat laut Prausmüller bei „zur Vertuschung gesellschaftlicher Machtverschiebungen und zur Verschärfung gesellschaftlicher Ungleichheiten bei“.

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