19.10. Dokumentation

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  • Feminismus 2.0

    Andrea hatte eine offene Diskussionsrunde “Feminismus 2.0″ auf den Sessionsplan des ersten Camptages gesetzt. Darum sollte es gehen:

    • feministische Blogs: welche gibt es und wie vielfältig gestalten sich die Positionen und Positionierungen
    • gender-playing: das Spiel mit Geschlechteridentitäten auf social-media Plattformen
    • Sexismus und Sexismen im Web: Stichwort “Standard”-Foren – “Was ist der Edding im Netz?!” – und die aktuellen Debatten rund um die Piraten-Partei
    Andrea machte auch die Moderation und warf ein piratpad zur kollaborativen Mitschrift an, weiterhin zugänglich und abzufragen hier

    Nach der Vorstellungsrunde ging es mitten in die Diskussion, hier eine Mitschrift von Eva:

    «Was ist der Edding im Netz?» – Sexismen streichen

    Zur Debatte steht: sind Reaktionen auf Sexismen im Web sinnvoll oder eher Zeit- und Energieverschwendung? Können diese kursierenden Sexismen einfach stehen gelassen werden oder geht es darum, diese jedes Mal (und es gibt so so viele Male) zu markieren und darauf zu reagieren? Und wenn Reaktionen darauf und Aktionen dagegen: in welcher Form? Und was, denn Zeit- und Energiemangel sich breit machen?

    Fallbericht: auf Eigen-Initiative hat eine Teilnehmerin begonnen, einen Baukasten für entsprechende Reaktionen auf sexistische Kommentare zu erarbeiten – Standard-Antworten, mit denen sehr schnell und einfach, da copy-and-paste, auf typische Sexismen re/agiert werden kann – in etwa: «Diese Meldung hat nichts besseres als Antwort Nr. 323 verdient: [entsprechende Antwort aus dem Baukasten]».
    Als Beispiel, wie das in etwa aussehen könnte, siehe hatr.org (auch im Buch im Manual hier gewürdigt).

    Die Baukasten-Idee findet Anklang: wie ließe sich das konkretisieren?
    Vorschlag: fb-Gruppe bilden und über sozialebewegungen.org ankündigen; mögliche Vorgehensweisen: zunächst brauchbare Antworten und Reaktionen sammeln; und weiter: Typologien der Sexismen erstellen und entsprechende Antworten generieren, finden, erfinden.

    Baukasten-Antworten als eine Art Aufkleber und Spraydose fürs Web: «Was ist der Edding, die Spray-Dose, der Rassimus-Streichen-Aufkleber im Netz?»
    Im öffentlichen Raum werden auch (manchmal) sexistische Plakate angesprüht und mit Anmerkungen, Sprüchen versehen: das wär doch im Web auch gefragt.

    Kann sich im Hinblick auf Feminismus Neues im Web 2.0 entwickeln?

    Beispiele für feministische Blogs: mädchenmannschaft, das Blog von Antje Schrupp – beide Deutschland; für Österreich die Denkwerkstatt.

    Die Frage nach der sehr hohen Drop-Out-Quote von fem* Blog-Projekten taucht auf: handelt es sich dabei um ein generelles Blog-Phänomen, oder geben fem* Blogger_innen häufiger auf, aufgrund der zahlreichen und teilweise sehr sehr heftigen Gegenreaktionen?

    Überleitung, Übergang zu Sexismus freien Zonen: die eigenen Twitter-Timelines, die frei sind von Sexismen – mensch hat die Wahl, wer in der Timeline ist. Twitter ist besser zu filtern als Facebook.
    Selbstgebaute Sexismus freie Zonen: selektive Wahrnehmung der Welt? Eine Art und Weise, sich eine eigene kleine Welt zu bauen? Andererseits: ist das überhaupt möglich und/oder zulässig?

    gender-playing / playing gender – Theorie und Praxis

    Die herkömmlichen asl [age-sex-location]-Aspekte sind auch in sehr vielen Web-Formularen und -Registrierungen gefragt und unausweichlich (binäre w/m Eingaben, Fehlermeldungen, sobald das Eingabe-Feld “Geschlecht” nicht oder nicht ‘richtig’ ausgefüllt wird)

    Möglichkeiten, mit Identitäten im Netz zu spielen: nicht eindeutig zuzuordnende Namen/Account-Namen, sich bewusst als mann* oder frau* markieren im Netz, Doppel-Namen frauenname–männername;

    Frage: wie weit klaffen Theorie und Praxis auseinander?
    Verschiedene Standpunkte: fem* Theorien würden kaum Eingang finden ins Alltagsleben, würden kaum eine Rolle spielen in der Praxis
    Gegenstandpunkt: die Kluft zwischen Theorie/Praxis ist nicht so einfach aufrechtzuerhalten – sich bewusst als frau* oder mann* zu markieren (auf Twitter, Facebook etc.) ermöglicht auch, die eigene eingefleischte Praxis zu reflektieren (was heißt das für mich, als *mann, als *frau zu schreiben, mich als solche_r zu positionieren und nicht zu positionieren?)

    «Wir hätten eh gerne Frauen dabei» …

    Das “… die-wollen-aber-nicht”-Argument gilt insofern nicht, als es den herRkömmlichen Status-Quo einfach reproduziert: bewusster Einsatz zum Abbau herRkömmlicher Schwellen-Ängste, die sich nicht ‘von selbst’ lösen werden;
    Fallbeispiele: Software-Entwicklung (extrem geringer Frauen*-Anteil), Social-Media-Manager_innen – für die meisten erstaunlich: Social Media-Managerinnen überwiegen.

    Piraten-Partei: Unklare Positionierung der Piraten im Hinblick auf gender-Fragen, frag- und diskussionswürdige laisser-faire-Haltung.