20.10. Programm Workshops

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  • Workshop: Transnationale Vernetzung – notwendig, eh klar!?!

    Transnationale Vernetzung ist sicher notwendig, aber auch schwierig in der Umsetzung und eine große Herausforderung mit vielen Fragen für uns alle!

    Diesen Fragen wollen wir uns am #sbsmCamp gemeinsam widmen. Eine Worldcafé Diskussionsrunde mit Mag Wompel (Labournet) und Dieter Behr (afrique-europe-interact), Moderation: Philipp Sonderegger (#sbsm-Mitautor).

    Termin: Donnerstag, 20.10., 14:30 bis 16:00

    Zumindest theoretisch ist uns wohl allen klar, dass die große Mehrheit der politisch relevanten (das heißt für das Gemeinwesen verbindlich werdenden) Entscheidungen nicht mehr in den nationalen politischen Institutionen, sondern in supra- und transnationalen Gremien (inkl. Konzernen) getroffen werden. (Allein auf EU-Ebene fallen geschätzte 70 bis 80 % der relevanten Entscheidungen). Wenn wir in Zeiten der Postdemokratisierung effektive Gegenmacht herstellen wollen, dann muss diese Gegenmacht auch transnationale Räume erschließen. Soweit, so klar.

    Klar ist auch, dass wir ressourcenmäßig stark im Nachteil sind, weil transnationale Treffen mit ungleich größerem finanziellen, zeitlichen und kommunikativen Aufwand verbunden sind als lokale Zusammenkünfte. Und virtuelle Kommunikation kann reale Begegnungen nicht vollkommen ersetzen. Aber die knappen Ressourcen sind nicht das einzige Problem, das die transnationale Treffen erschwert. Es ist vor allem die Unterschiedlichkeit der Kontexte, in denen sich die jeweiligen Organisationen bewegen und behaupten müssen, die eine grenzüberschreitende Kooperation oft erschweren, bisweilen sogar verunmöglichen. Daher stellt sich die Frage, ob und wie das mit den grenzüberschreitenden Echos der sozialen Bewegungen wirklich funktioniert? Welche Impulse gehen von Seattle, Genua, Porto Allegre und Dakar aus und wie manifestieren sich diese Impulse in unserem politischen Alltag? Wie können wir effektive Gegenmacht auf einer transnationalen Ebene herstellen? Wie kann eine solche Gegenmacht über lokal reaktive Anti-Gipfel-Events (WEF, G8, Weltbank, Währungsfonds, etc.) hinausgehen?

    Derzeit widmen wir diesem Bereich viel zu wenig Augenmerk, obwohl wir es theoretisch besser wissen – siehe oben! Es fehlt die theoretische Grundlage bzw. der reflektierte Diskurs über das, was transnationale Vernetzung eigentlich leisten könnte. Nach jedem transnationalen Treffen stellt sich immer wieder die Frage: Was sind die Handlungsperspektiven? Außerdem müssen wir immer wieder einen Umgang mit dem Problem der Delegation finden. Warum funktioniert die Rückbindung der Delegierten an die entsendenden Gruppen so schleppend? Wir entsenden laufend irgendjemand zu irgendwelchen Treffen “abroad” und bekommen bestenfalls beim nächsten Plenum einen dreiminütigen Bericht, der für die Gruppe hierzulande regelmäßig wie der Bericht aus einer anderen Welt anmutet und eigentlich keine besondere Relevanz entfaltet. Berichte von Treffen im Ausland sind meist schwach bzw. zeigt sich niemand besonders interessiert. Es stellt sich die Frage, woran das liegt.