19.10. Programm Workshops

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  • Workshop “Betriebsratsrealitäten”: zur betriebsrätlichen Dursetzungsfähigkeit

    Termin: Mittwoch, 19.10.2011, 12.00 bis 18.00 Uhr

    Der Betriebsrat als demokratisches Gremium der Belegschaftsvertretung steht vor vielfältigen Herausforderungen bei der Durchsetzung von Interessen der ArbeitnehmerInnen. Das vor knapp einem Jahr im ÖGB Verlag erschienene Buch “Betriebsratsrealitäten” zeigt diese Herausforderungen auf. Im Workshop geht es um praktische Antworten zur Stärkung der betriebsrätlichen Durchsetzungsfähigkeit auf zwei Ebenen:

    1. Auftreten nach außen sowie Sichtbarmachen von Anliegen und Machtpotenztialen und

    2. Kommunikationsstrategien innerhalb des Betriebsrats und mit der Belegschaft als Voraussetzung für erfolgreiche Interessenvertretung.

    Diesen zwei Schwerpunktsetzungen folgend besteht der Workshop aus zwei Blöcken.

    Block I: „Polsterschlacht statt Kuschelkurs?! Interessensdurchsetzung neu gedacht/gemacht“

    Wenn wir an betriebliche Auseinandersetzungen denken, dann denken wir zumeist an Demonstrationen oder Streiks. Aber es gibt viel mehr und oft auch leichter umsetzbare Möglichkeiten auf Ziele und Anliegen aufmerksam zu machen und Interessen durchzusetzen. Warum nicht zum Beispiel einmal eine öffentliche Polsterschlacht veranstalten, um auf einen betrieblichen Konflikt aufmerksam zu machen?

    In diesem Workshop erfahren BetriebsrätInnen über die Machtpotenziale der ArbeiterInnen- und Gewerkschaftsbewegung und was es braucht, um diese zu aktivieren. Darauf aufbauend werden verschiedene Formen von politischem Aktionismus kennengelernt und auch gleich ausprobiert!

    Blicken wir aktuell nach Griechenland wirkt das Bild der Polsterschlacht richtig provokant angesichts der Brutalität der Polizei und des Sparpaketes. Andere Länder, andere „Sitten“. Doch auch bei uns stellt sich die Frage, nach dem “wie kämpfen”, zum Beispiel für die KollegInnen in der Steiermark und in vielen Betrieben bei kleineren und größeren Konflikten im betrieblichen Alltag.

    Wir können jedoch in vielen Fällen sehen, dass die Macht zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen – anders formuliert: zwischen Kapital und Arbeit – unterschiedlich verteilt ist. Um eine erfolgreiche Entscheidung für die Wahl der Methoden zu treffen und durchsetzungsstark aufzutreten, werfen wir daher einen Blick auf die Möglichkeiten der ArbeitnehmerInnen, ihre eigenen Interessen trotz der überlegenen Möglichkeiten der Unternehmensseite zur Geltung zu bringen.

    Warum soll ich in oder mit Machtverhältnissen denken? Was ist eigentlich strukturelle Macht? Warum ist unsere Produktionsmacht ein relativ ungenütztes Potenzial? Mit wem könnte ich mich zusammentun, wenn ich mich mit der Koalitionsmacht auseinandersetze? Und was hat das eigentlich nun mit diesem „political aktivism“-Zeug und #sbsm zu tun?

    In verschiedenen sozialen Bewegungen haben unterschiedliche politische AktivistInnen mit verschiedensten politischen Anliegen schon Vieles ausprobiert und positive Erfahrungen gemacht: Flashmobs, Unsichtbares Theater, Aktionen, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, Street Reclaiming, Clownerei, Culture Jamming, Sabotage, Radical Cheerleading etc.

    Einen Konflikt zuspitzen oder auf politische Anliegen aufmerksam machen kann durchaus Spaß machen, motivieren und erfolgreich sein. Aus dem immensen Pool von aktionistischen politischen Methoden fischen wir im Workshop einige zur näheren Betrachtung heraus, werden überlegen was für uns und betriebliche Konflikte passen könnte und probieren Manches im Anschluss gleich einmal aus.

    Block II: „Solln ma drüber reden?“ Betriebsrätliche Kommunikation unter neuen betrieblichen Rahmenbedingungen

    Viele BetriebsrätInnen kennen das – die Belegschaft ist über mehrere Standorte verstreut. Zu ihnen Kontakt aufzubauen, sie zu informieren und von Problemen zu erfahren ist eine Mammutaufgabe. Aber selbst innerhalb des Betriebsratsgremiums ist es oft nicht leicht, alle Infos weiterzugeben, Zeit für Sitzungen und ausreichende Diskussion zu finden und alle in die Arbeit einzubinden. Ganz zu schweigen von der Herausforderung, die die Einrichtung von Zentralbetriebsräten, Europa- oder Weltbetriebsräten für die Kommunikation mit der Belegschaft und innerhalb des Betriebsrats mit sich bringt. Bedingungen mit einem Betrieb, einer Werkshalle, einem Büro – also einem Standort an dem alle arbeiten und an dem ein Betriebsratsgremium gewählt wird, das alle vertritt – gehören für viele von uns mittlerweile der Vergangenheit an.

    Der Workshop bietet BetriebsrätInnen Wissen über die Knackpunkte in der Kommunikation mit der Belegschaft, innerhalb der Körperschaft und über mehrere Standorte hinweg, ein Kennenlernen der Möglichkeiten von Social Media und ein Forum zum Erfahrungsaustausch sowie zur Entwicklung konkreter Ideen für den eigenen Betrieb. Dafür werden zuerst mit den TeilnehmerInnen die Herausforderungen und Problemlagen für die Kommunikation des Betriebsrats auf ihre Knackunkte, die über erfolgreiche Kommunikation entscheiden, hin untersucht. Gemeinsam werden alternative Ansatzpunkte und Strategien für die betriebliche Kommunikation entwickelt.

    Daran anschließend haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit genauer zu erforschen, was das Web 2.0 für die Kommunikation bei mehreren Standorten leisten kann, sich mit erfahrenen BetriebsratskollegInnen über deren Erfahrungen auszutauschen und mit ExpertInnen erste konkrete Ideen für den eigenen Betrieb zu entwickeln.

    Workshopleiter_innen:

    • Mag.a Elisabeth Steinklammer (Autorin des Buchs „Betriebsratsrealitäten“ erschienen im ÖGB Verlag)
    • Mag. Florian Reiter (Autor des Buchs „Betriebsratsrealitäten“ erschienen im ÖGB Verlag)
    • Saskia Kaufmann (Schauspielerin, Theaterpädagogin)
    • Sebastian Wöss (Sozialarbeiter, Aktivist)

    Wir bitten um Anmeldung zum #sbsmCamp über das Anmeldeformular!